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Coachingbrief Nr. 66 / 10.7.13


Hallo lieber Coachingbriefleser,

die Lebensschule ist ein fortlaufender Kurs in dem sich die Teilnehmer/innen einmal monatlich für zwei Stunden treffen. Im Moment gibt es 8 Gruppen. In jedem Monat wird ein neues Thema bearbeitet. Im Mai habe ich eine Umfrage gemacht, welche Stressbelastungen am meisten zu Buche schlagen. „Sieger“ war das Thema „Abgrenzen – Nicht gut „Nein“-sagen können“ mit immerhin 80,4 % bei insgesamt 136 Befragten. Und weil dies ein so wichtiges Thema ist, beginnt auch der heutige Coachingbrief damit.


1. Everybodys Darling - everbodys Depp?

Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, ihren Freunden und Mitmenschen zu helfen. Insbesondere bei nahestehenden Personen fällt uns selbstloses Handeln nicht schwer, sondern ist beinahe eine Selbstver­ständlichkeit. Anderen zu helfen, ohne dabei auf eine Gegenleistung zu spekulieren, ist ein wichtiger Bestand­teil zwischenmenschlicher Beziehungen, vor allem in der Familie oder unter Freunden. Aber, wenn man allzu bereitwillig immer zur Verfügung steht, fühlt man sich schnell ausgenutzt oder vereinnahmt.

Wie so oft findet sich das richtige Maß auf dem Mittelweg. Sich wirkungsvoll abgrenzen zu können und sich trotzdem dabei gut zu fühlen ist nicht immer leicht. Kennst du auch den berühmten „Sprachfehler“ – nicht „Nein“ sagen zu können?

Wir sind nun einmal „Rudeltiere“ und es war zu allen Zeiten schon immer überlebensnotwendig, dazu zu gehören, gemocht oder zumindest gelitten zu sein um nicht aus dem Rudel ausgestoßen zu werden. Früher bedeutete dies oft den sicheren Tod. Heute, in unserer individualistisch ausgelegten Gesellschaft, brauchen wir das Rudel nicht mehr. Dennoch bleibt das Zugehörigkeitsgefühl ein Grundbedürfnis, wie der Wunsch nach Sicherheit oder wie frische Luft zum Atmen. Die meisten genossen zudem eine Erziehung, in der für andere da zu sein, ein hoher Wert darstellt. Oft wurde uns dies so vorgelebt, insbesondere Frauen von ihren Müttern. Niemand möchte als Egoist gelten. Auch möchten wir Konflikte vermeiden und so neigen wir dazu, um des lieben Friedens willen auch dann „ja“ zu sagen, wenn wir eigentlich lieber „nein“ gesagt hätten.

Es kann sehr hilfreich sein, sich folgende Fragen zu stellen:

1. In welchen Situationen kann ich mich schlecht abgrenzen?

2. Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich nein sage?

3. Welche Nachteile könnte ich dadurch haben? Stimmt das wirklich?

4. Welchen Nutzen könnte ich davon haben?

5. Was hilft mir (und dem anderen!) langfristig gesehen mehr?

Allerdings erfordert dies Präsenz und Achtsamkeit mit sich und seinen Gefühlen. Man kann tief verankerte Muster nur ändern, wenn man sich diese bewusst macht und den „Autopiloten“ ausschaltet. Da du dieses Verhaltensmuster vielleicht schon sehr lange ausübst, wird es sich nicht von heute auf morgen umlernen lassen.

6 gute Tipps um besser „NEIN“ sagen zu können

1. Sage niemals(!) sofort ja

Sichere dir Bedenkzeit, z. B.: „Ich muss erst mal nachschauen, ruf mich morgen noch mal an.“ Dadurch vermeidest du ein vorschnelles „Ja“, was man nur schwer widerrufen kann. Aber Vorsicht! Nicht: Ich melde mich wieder, sondern: lass den anderen sich wieder melden, sonst behältst du den schwarzen Peter.

2. Lass dir immer ein Hintertürchen offen

Z.B.: „Eigentlich gerne. Aber das kann ich im Moment noch nicht versprechen, weil da noch eine andere Sache aussteht.“ Nun kannst du erst einmal in Ruhe überlegen, ob du das wirklich machen willst und dir die oben genannten Fragen stellen.

3. Stelle eigene Bedingungen

Z. B.: „Ja, aber ich kann nur am Dienstag ab 18 Uhr, wenn es nicht länger als eine Stunde dauert.“ So schützt du dich gegen Vereinnahmung. Schließlich will der andere etwas von dir und nicht umgekehrt.

4. Schieß den Ball zurück

Z. B.: „Schau doch erst mal, ob du jemand anders findest, der das machen kann. Wenn du niemanden gefunden hast, kannst du dich noch einmal melden.“ So zeigst du Verständnis für das Problem des anderen machst aber auch klar, dass du nicht als Universalproblemlöser zur Verfügung stehst.

5. Sage ein klares „Nein“ und nenne einen plausiblen Grund dafür

Z. B.: „Es freut mich, dass du dabei an mich gedacht hast. Ich bin jedoch so stark mit einer anderen Aufgabe beschäftigt, dass ich das zurzeit leider nicht unterbringe.“ Wenn du dies klar und sachlich zum Ausdruck bringst, wird es dem anderen schwer fallen, weiter zu bohren.

6. Revidiere deine Zusage

Wenn du dich ärgerst, dass du wieder einmal vorschnell ja gesagt hast, dann scheue dich sich nicht deine Zusage zu revidieren. Und zwar so schnell wie möglich. So hat der andere Zeit sich umzuorganisieren und du bist es schnell wieder los. Du musst und solltest dich dafür nicht rechtfertigen, das macht dich nur angreifbar. Sage Z.B. „Sorry, ich habe da was übersehen. Ich bringe mich selbst dabei in Teufels Küche.“

Wenn du lernst, auf diese Weise den Wünschen oder gar Ansprüchen anderer Menschen zu begegnen, wahrst du dein Gesicht, bleibst zuvorkommend und schützt dich vor unerwünschten Übergriffen. Auch hierbei gilt wie immer: Übung macht den Meister. Natürlich möchten wir nicht als unkooperativ oder gar als egoistisch gelten und wir möchten uns auch nicht unbeliebt machen. Aber denke daran: Everybody's Darling wird leicht zu everybody's Depp!

2. Trotz Sorgen gut schlafen

Jeder zweite Deutsche schläft schlecht. Einige brauchen ewig bis sie einschlafen. Andere wachen nachts auf und finden dann stundenlang keinen Schlaf mehr. Seine Sorgen und Ängste kann man leider nicht an der Schlafzimmertür abgeben. Wer kennt das nicht: Man wälzt sich ruhelos im Bett herum, grübelt und grübelt und der entlastende Schlaf will sich nicht einstellen. Stunde für Stunde verstreicht. Man malt sich aus, wie zerschlagen man sich am Morgen fühlen wird, wo man doch fit sein müsste. Morgens steht man dann wie gerädert auf.

Folgende Tipps können dir dabei behilflich sein, trotz Sorgen besser zu schlafen.

1. Akzeptieren und ausschalten

Akzeptiere, dass dein Körper nicht gleich zur Ruhe kommen kann. Versuche nicht, dich zur Ruhe zu zwingen, sondern habe Verständnis dafür, dass dein Verstand noch verzweifelt versucht, Lösungen für deine Probleme zu finden. Dummerweise malt sich dieser auch gerne Horrorbilder vom dem aus, was alles passieren könnte. Mache dir klar, dass du die negativen Gedanken zwar nicht verhindern kannst, aber nicht verpflichtet bist, diese weiter zu denken. Stelle dir einen Ausstellknopf oder eine Stopptaste vor, die du in solchen Momenten drückst. Es kann auch ein Buzzer sein, den du von Quizsendungen kennst.

2. Grübelgedanken aufschreiben und stoppen

Schreibe auf einen Zettel alles was dich bedrückt und was du befürchtest. Lege dir diesen Zettel in ein Kästchen und stelle dieses auf deinen Nachttisch. Lege Stift und Notizblock daneben. Wenn dir noch etwas einfällt, aufschreiben und ins Kästchen damit. Danach sage dir: „Nun Gedanken stopp, jetzt ist nicht die richtige Zeit. Darum kümmere ich mich morgen. Jetzt wird erst mal geschlafen.“ Lenke nun deine Aufmerksamkeit auf etwas Beruhigendes.

3. Auf den Atem konzentrieren

Atme tief hinunter in den Bauchraum und lasse dann den Atem langsam wieder ausströmen. Dann halte den Atem an und zähle von 1001 bis 1006 (eintausendundeins … eintausendundsechs). Dann atme wieder aus und wiederhole dies mehrmals bis du ruhiger geworden bist. Lege dann die Hand auf den Bauch und spüre, wie die Welle des Atems an den Handflächen ankommt. Achte auf den Rhythmus des Atems, ohne sich einzumischen.

4. Den Verstand beschäftigen

Statt zu grübeln und Probleme lösen zu wollen, beschäftige deinen Verstand mit anderen Aufgaben, z.B.: Wie viele Telefonnummern weißt du auswendig, welche Personen gehören zur gesamten Familie bis zu den Groß- oder Urgroßeltern oder wie viele und welche Länder habe ich schon bereist. Selbst das kindliche Schäfchenzählen ist nicht das Schlechteste, weil damit der Verstand beschäftigt und unterfordert wird und dadurch runter fahren kann.

5. Phantasiereise an einen sicheren Ort

Eine wirkungsvolle Technik aus dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren) ist der „Moment of Excellence“. Gehe in deiner Phantasie an einen Ort, an dem du dich sicher, geborgen und entspannt fühlen kannst. Das kann auch eine Erinnerung an ein schönes Urlaubserlebnis sein oder beame dich in deine geliebte Gartenlaube. Führe dieses Bild ganz lebendig vor deine inneren Augen, höre, rieche und spüre alles so real wie möglich.

6. Vertraue deinem Körper

Reduziere deine Erwartungen. Erinnere dich daran, dass dein Körper bereits nach drei Stunden den für ihn wichtigsten Schlaf gehabt hat. Wenn du also morgens recht früh aufwachst oder nur vier bis fünf Stunden geschlafen hast, besteht kein Grund zur Besorgnis – auch wenn du dich noch müde und schlapp fühlst. Mache dir keinen zusätzlichen Stress mit dem Gedanken, dass du doch deinen Schlaf brauchst. Sage stattdessen deinem Körper: „Mein lieber Körper, ich vertraue dir. Du wirst dir schon den Schlaf holen, den du brauchst“.

7. Schlaf gut vorbereiten

Führe vorbeugend gute Abendrituale ein. Wenn du an bestimmte regelmäßig abendliche Abläufe wie z.B. einen Gute-Nacht-Tee trinken oder noch einige Minuten frische Luft schnappen, gewöhnt bist, dann funken dir nicht so leicht die Sorgen dazwischen. Achte darauf den Tag ruhig und friedvoll zu beenden. Arbeite nicht bis „in die Puppen“, sondern widme dich mindestens zwei Stunden deiner Entspannung. Vorsicht: Hole dir nicht die nötige Bettschwere vor dem Fernseher! Diese scheinbare Entspannung putscht dein Unterbewusstsein mehr auf, als es beruhigt. Erkläre dein Schlafzimmer zur Ruhezone. Setze den Grübelgedanken und Sorgen eine klare Grenze: vor deiner Schlafzimmertür!

Wenn du trotz dieser Tipps keine nächtliche Ruhe findest, können sich dahinter körperliche oder seelische Ursachen verbergen. Wenn deine Schlafstörungen länger als vier Wochen andauern und du dadurch deutlich seelisch und körperlich beeinträchtigt fühlst, solltest du deinen Hausarzt bzw. einen Psychotherapeuten zu Rate ziehen. Scheue dich nicht, dieses Thema offen anzusprechen, Schlafstörungen sind häufiger verbreitet als die meisten Menschen glauben.

Noch ein Wort zu Medikamenten: Schlafmittel solltest du nur im äußersten Fall nehmen. Diese richten nämlich mehr Schaden an, als dass sie nutzen.

3. Das Elefantenbaby - oder: Wo die Angst ist geht's lang

Sicherlich warst Du schon einmal im Zirkus und hast die mächtigen Elefanten bewundert. Vielleicht hast Du dort bemerkt, dass die Elefanten an einem relativ kleinen Pflock angekettet waren. Hat Dich das nicht erstaunt? Hast Du Dich nicht gefragt, wie es möglich ist, ein so starkes Tier an einen so kleinen Pflock anzuketten? Für den Elefanten müsste es doch eigentlich ein Leichtes sein, diesen Pflock herauszureißen und sich so zu befreien, oder?

Des Rätsels Lösung ist: Als Baby hat man den Elefanten ebenfalls an einen solchen Pflock angekettet. Als er jedoch noch klein war, hatte er noch nicht die Kraft, um sich zu befreien. So sehr er es damals auch versuchte, es misslang. Je öfter er vergeblich versuchte, sich zu befreien, je mehr er als Baby die Erfahrung machte, dass er hilflos war, dass der Pflock stärker war, umso mehr "glaubte" er es und schließlich gab er auf.

Er hatte gelernt, hilflos zu sein und diese Erfahrung war von nun an unauslöschbar ein Teil seiner Welt. Als er älter wurde und die Kraft hatte, sich loszureißen, versuchte er es gar nicht erst, da er als Baby hunderte und vielleicht tausende Male die Erfahrung gemacht hat, dass es zwecklos ist, sich dagegen zu wehren.

Ähnlich lernen auch wir Menschen, uns hilflos zu fühlen. Aufgrund vergangener Erfahrungen und Krisen, in denen wir uns keinen Rat wussten, in denen wir uns hilflos fühlten, hat sich bei uns die Überzeugung breit gemacht, dass wir wehr- und hilflos sind - auch wenn wir es tatsächlich gar nicht sind, eben so wenig wie der ausgewachsene Elefant. Da wir jedoch lediglich gelernt haben, uns in verschiedenen Situationen hilflos zu fühlen, können wir lernen, wieder mehr das Gefühl zu haben, Herr unseres Schicksals zu sein.

Und wie macht man das?

Der Elefant müsste einfach nur mal kräftig an seinem Pflock rütteln, statt zu glauben, dass das, was einmal war - nämlich dass er zu schwach ist – auch heute noch sein muss. Es geht also darum, aktiv zu werden und zu handeln. Es geht darum, neurotische von realen Gefühlen zu unterscheiden und sich selbst eine Chance zu geben.

Wir werden nie wissen, wozu wir fähig sind, wenn wir nur auf unsere Ängste hören oder uns von negativen Erfahrungen unserer Vergangenheit leiten lassen. Ein guter Wahlspruch kann lauten: Wo die Angst ist geht’s lang!

4. Komm ich erzähl dir eine Geschichte


In der Therapie und im Coaching wird gerne mit Methapern und Geschichten gearbeitet. „Menschen lassen sich nicht gerne etwas sagen, aber gerne etwas erzählen“, lautet eine Erkenntnis aus dem NPL (Neurolinguistisches Programmieren). Im Gegensatz zu Rat­schlägen legen Geschichten und Lebensweisheiten keine Verpflichtungen auf. Das lässt dem Anderen die Möglichkeit seine Sichtweise zu verändern ohne sein Gesicht zu verlieren.

Da es auch zum Selbstverständnis meiner Arbeit gehört, keine guten Ratschläge zu geben, auch ich sie noch so angebracht fände (Ratschläge sind auch Schläge!), erzähle ich auch lieber Anekdoten oder Geschichten. Wie zum Beispiel diese: „Der Kreis der 99“, die, obwohl es ein Märchen aus alter Zeit ist, von der Thematik her nicht aktueller sein könnte.

Der Kreis der 99

Es war einmal ein König, der hatte einen Diener, der sehr glücklich war. Jeden Morgen weckte er den König, brachte ihm das Frühstück und summte dabei fröhliche Spielmannslieder. In seinem Gesicht zeichnete sich ein breites Lächeln ab, und seine Ausstrahlung war stets heiter und positiv. Eines Tages schickte der König nach ihm.
»Diener«, sagte er. »Was ist das Geheimnis deiner Fröhlichkeit?«

»Da gibt es kein Geheimnis, Majestät.«

»Lüg mich nicht an, Diener. Ich habe schon Köpfe abschlagen lassen für weniger als eine Lüge.«
»Ich belüge Euch nicht, Majestät. Ich habe kein Geheimnis.«

»Warum bist du immer fröhlich und glücklich?«

»Herr, ich habe keinen Grund, traurig zu sein. Eure Majestät erweist mir die Ehre, Euch dienen zu können. Ich lebe mit meinem Weib und meinen Kindern in einem Haus, das uns der Hof zugeteilt hat. Man kleidet und nährt uns, und manchmal, Majestät, gebt Ihr mir die ein oder andere Münze, damit ich mir etwas Besonderes leisten kann. Wie sollte ich da nicht glücklich sein?«

»Wenn du mir nicht gleich dein Geheimnis verrätst, lasse ich dich enthaupten«, sagte der König. »Niemand kann aus solchen Gründen glücklich sein.«

»Aber Majestät, es gibt kein Geheimnis. Wie gern wäre ich Euch zu Gefallen, aber ich verheimliche nichts.«

»Geh, bevor ich den Henker rufen lasse!«

Der Diener machte eine Verbeugung und verließ den Raum. Der König war völlig außer sich. Er konnte sich einfach nicht erklären, wie dieser Diener so glücklich sein konnte. Als er sich beruhigt hatte, rief er den weisesten seiner Berater zu sich und berichtete ihm von dem Gespräch, das er an diesem Morgen geführt hatte. »Warum ist dieser Mensch glücklich?« »Majestät, er befindet sich außerhalb des Kreises.«

»Außerhalb des Kreises?«

»So ist es.« -  Und das macht ihn glücklich?«

»Nein, mein Herr. Das ist das, was ihn nicht unglücklich sein lässt.«

»Begreife ich das recht: Im Kreis zu sein macht einen unglücklich?«

»So ist es.« - »Was ist das für ein Kreis:«

»Der Kreis der neunundneunzig.« - »Ich verstehe nicht.«

»Das kann ich nur an einem praktischen Beispiel erklären. Lass deinen Diener in den Kreis eintreten.« - »Ja, zwingen wir ihn zum Eintritt.«

»Nein, Majestät. Niemand kann dazu gezwungen werden, in den Kreis einzutreten, aber wenn wir ihm die Möglichkeit dazu geben, wird er ganz von selbst eintreten.«

»Aber er merkt nicht, dass er sich dadurch in einen unglücklichen Menschen verwandelt?«

»Doch, er wird es merken.«

»Du behauptest, er merkt, wie unglücklich es ihn macht, in diesen albernen Kreis einzutreten, und trotzdem tut er es, und es gibt keinen Weg zurück?«

»So ist es, Majestät. Wenn du bereit bist, einen ausgezeichneten Diener zu verlieren, um die Natur dieses Kreises zu begreifen, dann werde ich dich heute Nacht, kurz vor Tagesende abholen. Du musst einen Lederbeutel mit neunundneunzig Goldstücken bereithalten. Neun­undneunzig, keins mehr, keins weniger.«

In dieser Nacht holte der Weise den König ab, sie gingen zum Haus des Dieners. Der Weise steckte einen Zettel an den Beutel, auf dem stand: Dieser Schatz gehört Dir. Es ist die Belohnung dafür; dass Du ein guter Mensch bist. Genieße ihn und sag niemandem, wie Du an ihn gelangt bist. Dann band er den Beutel an die Haustür des Dieners, klingelte und versteckte sich wieder. Der Diener kam heraus, öffnete den Beutel, las die Nachricht, schüttelte den Sack, und als er das metallische Geräusch aus seinem Inneren vernahm, zuckte er zusammen, drückte den Schatz an seine Brust, sah sich um, ob ihn auch niemand beobachtete, und ging ins Haus zurück. Die Spione stellten sich zum Fenster, um die Szene zu beobachten.

Der Diener hatte sich hingesetzt, den Inhalt des Beutels auf den Tisch geleert und traute seinen Augen kaum. Es war ein Berg aus Goldmünzen! Er, der in seinem ganzen Leben nicht eine einzige verdient hatte, besaß nun einen ganzen Berg davon. Schließlich begann er seinen Schatz zu zählen. Er machte Häuflein zu zehn Münzen doch das letzten Häuflein, hatte nur 9 Münzen! Zunächst suchten seine Augen den Tisch ab, in der Hoffnung, die fehlende Münze zu finden. Dann schaute er auf den Boden und schließlich in den Beutel.

>Das ist unmöglich<, dachte er. »Man hat mich beraubt!« schrie er. »Man hat mich beraubt! Das ist Diebstahl.« >Neunundneunzig Münzen. Das ist eine Menge Geld<, dachte er. > Aber ein Goldstück fehlt. Neunundneunzig ist keine runde Zahl. Hundert ist rund, doch nicht neunundneunzig.<

Der König und sein Ratgeber spähten zum Fenster hinein. Das Gesicht des Dieners hatte sich verändert. Seine Stirn lag in Falten, und die Miene war angespannt. Der Diener steckte die Münzen in den Beutel zurück und versteckte den Beutel zwischen der Wäsche. Dann nahm er Papier und Feder und setzte sich an den Tisch, um eine Rechnung aufzustellen. Wie lange musste er sparen, um Goldstück Nummer hundert zu bekommen? Er war bereit, hart dafür zu arbeiten. Danach würde er womöglich niemals wieder etwas tun müssen. Mit hundert Goldstücken konnte man aufhören zu arbeiten. Mit hundert Goldstücken ist man reich. Wenn er hart arbeitete und sein Gehalt und etwaige Trinkgelder sparte, konnte er in elf oder zwölf Jahren genügend für ein weiteres Goldstück beisammen haben.

>Zwölf Jahre sind eine lange Zeit<, dachte er. Er überlegte: Wenn man seine Arbeit im Dorf und die seiner Ehefrau zusammenrechnete, konnten sie in sieben Jahren das Geld beieinander haben. Das war zu lang. Vielleicht konnte er das Essen, das ihnen übrig blieb, ins Dorf bringen und es für ein paar Münzen verkaufen. Je weniger sie also essen würden, desto mehr könnten sie verdienen. Er schmiedete Pläne bis er bei vier Jahren anlangte. In vier Opferjahren hätten sie Goldstück Nummer hundert. Der König und der Weise kehrten in den Palast zurück. Der Diener war in den Kreis der neunundneunzig eingetreten. Während der kommenden zwei Monate verfolgte der Diener seinen Plan genau, wie er ihn in jener Nacht entworfen hatte. Eines Morgens klopfte er übelgelaunt und gereizt an die Tür des königlichen Schlafzimmers.

»Was ist denn mit dir los?« fragte der König höflich. - »Mit mir? Gar nichts.«

»Früher hast du immer gesungen und gelacht.«

»Ich tue meine Arbeit, oder etwa nicht? Was wünschen Ihre Majestät? Soll ich Euch auch noch Hofnarr sein?«

Es dauerte nicht mehr allzu lang, da entließ der König den Diener. Er fand es unangenehm, einen Diener zu haben, der immer schlecht gelaunt war.

Aus “Komm, ich erzähl dir eine Geschichte” von Jorge Bucay

5. Vorsicht Humor

Ihr Tagebuch:

Am Samstag Abend hat er sich echt komisch verhalten. Wir wollten noch auf ein Bier ausgehen. Ich war den ganzen Tag mit meinen Freundinnen beim Einkaufen und kam des­wegen zu spät – womöglich war er deswegen sauer. Irgendwie kamen wir gar nicht mitein­ander ins Gespräch, so dass ich vorgeschlagen habe, dass wir woanders hingehen, wo man sich besser unterhalten kann. Er war zwar einverstanden, aber blieb so schweigsam und abwesend. Ich fragte, was los ist, aber er meinte nur „nichts“.

Dann fragte ich, ob ich ihn vielleicht geärgert habe. Er sagte, dass es nichts mit mir zu tun hat, und dass ich mir keine Sorgen machen soll. Auf der Heimfahrt habe ich ihm dann gesagt, dass ich ihn liebe, aber er fuhr einfach weiter. Ich versteh ihn einfach nicht, warum hat er nicht einfach gesagt „ich liebe Dich auch“. Als wir nach Hause kamen, fühlte ich, dass ich ihn verloren hatte, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Er saß nur da und schaute fern – er schien weit weg und irgendwie abwesend. Schließlich bin ich dann ins Bett gegangen.

Er kam 10 Minuten später nach und zu meiner Überraschung hat er auf meine Lieb­kosungen reagiert und wir haben uns geliebt. Aber irgendwie hatte ich immer noch das Gefühl, dass er abgelenkt und mit seinen Gedanken weit weg ist. Das alles wurde mir zu viel, so dass ich beschlossen habe, offen mit ihm über die Situation zu reden, aber da war er bereits eingeschlafen. Ich habe mich in den Schlaf geweint. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin fast sicher, dass er eine andere hat. Mein Leben hat keinen Sinn mehr.

Sein Tagebuch:

Mist! Heute hat Bayern München verloren. Aber wir hatten prima  Sex.

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Diesen humorvollen Text hat mir Sabine aus Bad Vilbel geschickt:

Hey Mädels, macht euch keine Gedanken über Hüftspeck - ich habe nun endlich die Ursache gefunden. Übergewicht kommt doch nicht vom Essen! Heute Morgen unter der Dusche fand ich die Lösung: Die Gefahr lauert im Shampoo! Beim Haare waschen rinnt der Schaum des Shampoos vom Kopf über meinen Körper. Bisher habe ich mir nichts dabei gedacht. Bis ich heute Morgen gelesen habe, was auf der Flasche steht: "Für extra Volumen und mehr Fülle". Kein Wunder, dass ich ständig zunehme! Ich werde ab sofort nur noch Geschirrspülmittel verwenden, denn dort steht auf der Flasche: "Entfernt auch hartnäckiges Fett"!  Bin heute nicht mehr zu erreichen, bin Spüli kaufen...

Das war's mal wieder für heute.

Ganz liebe Grüße aus
unserem schönen Bad Orb
mit der Toskana-Therme
und - laß es dir gut gehen!

Elmar


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