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Coachingbrief Nr. 65 / 17.4.13


Hallo lieber Coachingbriefleser,

heute erhielt ich gleich zwei E-Mails als wertschätzende Reaktion auf den sonntagmorgent­lichen „Tipp der Woche“, die jeweils mit den Worten begannen: „Ich weiß nicht, ob du mich noch mich erinnern kannst…“. Die eine der beiden Schreiberinnen habe ich von über zehn Jahren als eine meiner Seminarteilnehmerinnen kennengerlernt, die andere kenne ich aus meinem „früheren Leben“, als ich noch meine Firma und meine vielen Ehrenämter hatte.

Innerlich lächelnd habe ich daran gedacht, was ich meinen beiden Söhnen immer mit auf den Weg gegeben habe: „Benimm dich anständig, du weißt nie, ob du die Menschen später einmal wieder triffst.“ Auch der Volksmund sagt: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“

Sich anständig zu benehmen ist allerdings nur ein Aspekt. Es ist von entscheidender Bedeu­tung für das Leben, wie es um unser Selbstwertgefühl beschaffen ist. Deshalb widme ich den ersten Aufsatz dieses Coachingbriefes genau diesem Thema.



1. Unser Selbstwertgefühl - das Immunsystem des Bewusstseins

Von allen Urteilen, die wir in unserem Leben fällen, ist keines wichtiger als das Urteil, das wir über uns selbst fällen. Unser Selbstwertgefühl ist der Ruf, den wir bei uns selbst erworben haben. Unser persönliches Glück und die berufliche Karriere hängen maßgeblich davon ab, inwieweit wir über ein intaktes Selbstwertgefühl verfügen.

Die innere Stabilität hat Auswirkungen auf unsere Gefühle, unser Verhalten, unsere Bezie­hungen und auf unseren Körper. Die Selbstwahrnehmung der eigenen Stärken und Schwächen beeinflusst tatsächlich jeden Moment der persönlichen Existenz. Leider ist man sich aber oft dabei selbst im Weg und verhindert so Zufriedenheit und Erfolg.

Was ist Selbstwertgefühl?

Selbstwertgefühl ist ein tief in uns wohnendes Gefühl von Vertrauen darauf, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein, das Recht darauf, glücklich und erfolgreich zu sein und es verdient zu haben, seine eigenen Vorstellungen, Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Es ist auch das Vertrauen darauf, dazu fähig zu sein, genug Verstand, Tatkraft und körperliches Leistungsvermögen dafür zu haben. Das Selbstwertgefühl kann in unterschiedlichen Bereichen verschieden wahrgenommen werden. Der angesehene Professor kann in Liebesbeziehungen unsicher und schüchtern sein und die couragierte Mutter ist dem cholerischen Vater oder Mann gegenüber kleinlaut.

Wie baut sich das Selbstwertgefühl auf?

Kommt ein Baby zur Welt, hat es schon neun Monate "Erziehung" hinter sich. Und zwar online. Es hat das Selbstwertgefühl und die diesbezüglichen Emotionen der Mutter quasi mit der Nabelschnur aufgesaugt.

Jeder wird in ein Familiensystem hineingeboren das ihn in irgendeiner Weise prägt. Familienthemen, Status der Familie, kollektive Ansichten und Glaubenssätze haben Einfluss auf unser Ich-Bewusstsein und damit auf das Selbstwertgefühl. Im Laufe unserer Kindheit wird unser Selbstwert stark von Rollenvorbildern wie Eltern, Verwandten, Lehrern aber auch von Freunden und Mitschülern geprägt. Überhaupt ist die Schule einer der größten Brutstätten für den Selbstwert. Noten legen fest, ob wir gut oder schlecht sind. Auch unsere Stellung in der Klassengemeinschaft prägt ungemein. Danach kommt die Ausbildung und das Erwachsenwerden, die erste große Liebe, die oft auch noch Auswirkungen auf die nachfolgenden Beziehungen hat. So kommt es immer wieder zu Wiederholungen von Mustern. Die Unstimmigkeit zwischen erlebten Erfahrungen und nun anderen, neuen Tatsachen macht uns nervös und es entsteht ein Drang, die bekannte Gefühlssituation wieder herzustellen.

Der Eintritt in das Berufsleben beeinflusst unseren Selbstwert oft noch einmal deutlich. Trotzdem baut es sich auf unsere frühesten Erfahrungen auf. Das kann dazu führen, dass jemand sich enorme Fachkenntnisse und Fähigkeiten angeeignet hat, tief im Innersten sich aber für nicht gut genug hält. Ein junger Produktentwickler wurde auf Grund seiner Leistungen zum Teamleiter gemacht. Da er jedoch nur ein sehr schwaches Selbstwertgefühl hatte, fühlte er sich wie ein Hochstapler und unbewusst boykottierte er sich selbst. Er kam unvorbereitet zu Sitzungen, verhielt sich patzig seinem Chef gegenüber und legte es regelrecht darauf an, zu zeigen wie unfähig er in Wirklichkeit sei.

Zusammenfassend kann man sagen:

Das Selbstwertgefühl steht auf zwei Beinen: Selbstwirksamkeit und Selbstachtung.

Selbstwirksamkeit ist etwas, was man selbst erwirken kann, durch Fleiß, Talent, Intelligenz oder Durchhaltevermögen. Der Erfolg ist messbar und die Erfolgserlebnisse stärken nachhaltig unsere Selbstwirksamkeitserfahrung.

Selbstachtung kann man nicht so einfach selbst machen. Selbstachtung entsteht auch ganz wesentlich dadurch, wie wir von anderen Menschen behandelte werden, ob wir dazugehören oder irgendwelche „Makel“ durch Aussehen, Herkunft oder irgendwelche körperlichen Merk­male haben, die uns eine Sonderstellung einnehmen lassen. Ist dies der Fall, kann die Selbst­achtung erheblichen Schaden erleiden.

Ist das „Bein“ der Selbstachtung schwach, passiert es oft, dass dem anderen „Bein“, der Selbst­wirksamkeit eine besondere Bedeutung zukommt, weil es die überwiegende Last tragen muss. Dies führt oft zur persönlichen Überforderung, zu hohen Ansprüchen an sich selbst und letztendlich ist es die Brutstätte für Burnout.

Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls

Unter diesem Titel hat Nathaniel Branden ein lesenswertes Buch geschrieben, das ich jedem sehr empfehlen kann. Die 6 Säulen benennt er mit:

1. Bewusst leben

Mache dir bewusst, was du tust und warum du so handelst. Ist es sinnvoll und warum? Oder solltest du es lieber anders machen? Stell dir diese und andere solche Fragen um dein Tun zu reflektieren. Bewusst leben heißt, eine Bewusstheit von allem zu haben, was mit unseren Handlungen, Absichten, Werten und Zielen zu tun hat – nach besten Kräften, entsprechend unseren Fähigkeiten, wie diese auch immer sein mögen – und uns in unserem Verhalten von dem leiten lassen, was wir sehen und wissen. Dann kannst du ein Leben außerhalb des Hamsterrades führen.

2. Sich selbst annehmen

Es ist ein unumstößliches Lebensgesetz: Wer sich nicht selbst annimmt, kann kein Selbst­wertgefühl haben. Selbstannahme und SWG sind so eng verknüpft, dass sie oft miteinander verwechselt werden. SWG ist etwas, was wir erfahren. Selbstannahme ist was wir selbst tun müssen. Oft fällt es aber schwer, sich selbst anzunehmen. Bei bestimmten Themen geht es leichter, bei anderen wieder nicht. Aber Liebe, auch Selbstliebe und Selbstannahme ist immer bedingungslos. Jeder möchte um seiner selbst willen geliebt werden und nicht unter bestimmten Umständen. Das bedeutet nicht, dass wir alles bei gut finden müssen. Manches müssen wir einfach akzeptieren, weil wir es nicht ändern können.

3. Eigenverantwortlich leben

Eigenverantwortlich leben heißt: Ich bin verantwortlich für die Erfüllung meiner Wünsche. Ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen und mein Handeln. Ich bin verantwortlich für das Maß an Bewusstsein, das ich meiner Arbeit entgegen bringe. Ich bin verantwortlich für das Maß an Bewusstsein, das ich meinen Beziehungen entgegenbringe. Ich bin verantwortlich für mein Verhalten anderen gegenüber - Kollegen, Geschäftspartnern, Kunden, Kindern, Freunden, meinem Mann oder meiner Frau. Ich bin verantwortlich, wie ich meine Zeit schwerpunktmäßig nutze. Ich bin verantwortlich für die Qualität meiner Botschaften. Ich bin verantwortlich für mein persönliches Glück. Ich bin verantwortlich für die Werte, die ich für mein Leben wähle oder übernehme. Ich bin verantwortlich für die Erhöhung meines Selbstwertgefühls.

4. Sich selbstsicher behaupten

Sich selbstsicher behaupten bezeichnet man als Selbstsicherheit. Dieser Begriff wird meist in einen Topf geworfen mit Selbstbewusstsein oder mit Selbstwertgefühl. Es ist jedoch nur ein Teilbereich, nur eine Säule des Selbstwertgebäudes. Selbstbehauptung heißt, den eigenen Werten, Wünschen und Bedürfnissen Rechnung zu tragen und dies in angemessener Weise praktisch zum Ausdruck zu bringen.

5. Zielgerichtet leben

Mancher denkt dabei vielleicht zuerst an klare Umsatzziele oder konkrete Lebensziele, wie solche oft bei Managementseminaren im Focus stehen. So sinnvoll und wirksam sie auch sein können, dienen sie jedoch in erster Linie der Effizienz, der Steigerung des Leistungs­vermögens und damit der Selbstwirksamkeit. Erfolgserlebnisse, die daraus resultieren sind natürlich auch dem SWG zuträglich. Es geht bei der Säule zielgerichtet leben aber vor allem auch darum, seine Aufmerksamkeit auf das zu richten was man will und nicht auf das, was man nicht will. Dies scheint selbstverständlich zu sein, aber im alltäglichen Leben ist es dies oft gar nicht.

Jeder ist zuständig dafür zu wissen was er will, zu erkennen, was er dafür tun muss, zu beobachten, ob er im Einklang mit seinen Zielen handelt und dafür zu sorgen, seine Ziele zu erreichen.

6. Persönliche Integrität

Das bedeutet die Integration unserer Überzeugungen, Einstellungen, Werte oder Idealen in unserem Leben und unserem Tun. Verstößt man dagegen, meldet sich ein Störgefühl, oft in Form eines schlechten Gewissens. Integer sein heißt unbescholten, moralisch einwandfrei und aufrichtig zu sein. Leben wir nicht dementsprechend, erwerben wir uns einen schlechten Ruf uns selbst gegenüber. Das Selbstwertgefühl wird dadurch beschädigt. Deshalb ist es auch sehr wichtig, überzogen Maßstäbe zu korrigieren. Mit anderen Worten: Man muss noch gut in den Spiegel schauen können.

2. Vielfraß Gehirn - Wie aus Stress Übergewicht wird
Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Bewegungsmangel, Fastfood, Verführung durch das Überangebot an Genussmitteln - die vermeintlich Schuldigen für die „Volkskrankheit“ Übergewicht stehen längst am Pranger. Aber stimmt das wirklich? Sind dies die wahren Ursachen für Übergewicht? Warum nehmen nicht alle Menschen zu, obwohl sie den gleichen Einflüssen ausgesetzt sind? Haben die Schlanken mehr Charakter, mehr Willenskraft?

Eine 30-köpfige Forschungsgruppe engagierter Wissenschaftler der Universität Lübeck unter der Leitung des Adipositas-Spezialisten Prof. Dr. Achim Peters erkennt nach zehnjähriger intensiver Forschungsarbeit die wirklichen Ursachen, wie Übergewicht entsteht.

Das Gehirn – ein Despot

Eines der vielen Funktionen des Gehirns ist die Regulation des Energiestoffwechsels. Obwohl die Hirnmasse nur zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es etwa ein Drittel der täglichen Kohlenhydrate: ca. 130g Glukose. Die Versorgung des Gehirns ist allen anderen Organen oder Muskeln übergeordnet. Bei Stress kommt es ausgelöst von den Stresshormonen zu einer erhöhten Anspannung im Nervensystem und das Gehirn fordert mehr Energie an. Diese Aufgabe übernimmt das Stresshormon Kortisol und zieht Energie aus dem Muskel- und Fettgewebe ab. Dieser Vorgang wird Brain-Pull genannt. Kurzfristig ist es gut, wenn der Körper auf diese Weise aufgerüstet wird um den Stressfaktoren zu begegnen. Bekanntlich macht Dauerstress aber krank.

Dicke schützen sich vor Stress

Das Lübecker Forscherteam hat herausgefunden: Es gibt zwei Menschentypen, die unterschiedlich auf chronischen Stress reagieren. Sie haben diese Typ A und B genannt. Wozu man gehört kann sich niemand aussuchen, es ist in den Genen festgelegt. Typ A reagiert wie oben beschrieben auch bei Dauerbelastungen, nimmt bei Stress ab und zahlt den Preis mit bekannten Stresserkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt, Knochenabbau oder Depressionen.

Typ B hat einen genialen Anpassungsmechanismus entwickelt: Er blockiert bei chronischem Stress das Kortisol. Somit erträgt er die Belastungen mit mehr Gelassenheit und Gleichmut. „Dicke sind gemütlicher“ sagt uns der Volksmund. Allerdings hat auch dies seinen Preis: Die Stresshormone holen jetzt nicht mehr die Zusatzenergie aus den Fettzellen. Somit bleibt nur eine Möglichkeit: Der Typ B muss mehr essen um seinem Gehirn den erhöhten Energiebedarf zu decken. Als Folge daraus resultiert Übergewicht. Dies wird als Body-Pull bezeichnet.

Stress macht dick

Wenn von Stress die Rede ist, sollte man nicht nur an den typischen Arbeitsstress denken. Chronischer Stress entsteht, wenn wir dauerhaft unter Druck sind. Das können schwierige Beziehungen zu anderen Menschen sein, Dauerkonflikte, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen oder Mobbing. Auch nicht überwundener Verlust oder Trennung von Partnern oder Familienangehörigen können noch belasten. Andauernde Sorgen, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Existenzängste oder soziale Ungerechtigkeit stehen ebenfalls ganz oben auf der Liste. Auch Reizüberflutung durch Lärm z.B. Wohnen an Autobahnen oder Flughäfen, die alltäglichen Aufregungen in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit. Was häufig übersehen wird: Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht und der gesellschaftliche „Makel“, der an dem Übergewichtigen haftet. Die Stressoren können sehr vielfältig sein, der Anpassungs­mechanismus beim Typ B ist immer gleich: Übergewicht.

Stress lass nach

Aus Sicht der Hirnforschung sind alle Maßnahmen zur Bekämpfung des Übergewichts wie Diäten gleich welcher Art generell der falsche Ansatz. Es wird zusätzlicher Stress verursacht und somit ist ein Jo-Jo-Effekt die logische Folge. Für Achim Peters und sein Forschungsteam gibt es nur einen Ausweg: Der Übergewichtige muss sein Leben dauerhaft entstressen. Das ist kein einfacher Weg und er stellt so manchen vor schwer lösbare Aufgaben. Deshalb suchen die Betroffenen, wenn auch vergeblich, nach leichteren Lösungen. Daraus ist ein Milliardengeschäft mit dem Übergewicht entstanden, von dem die pharmazeutische und Nahrungsmittelindustrie profitiert.

Selbst wenn es keine akuten Ursachen mehr für den chronischen Stress gibt, kann sich der Body-Pull, also die Strategie, seine Energie nicht aus den Fettzellen, sondern überwiegend aus dem Essen zu beschaffen, beim B-Typ chronifiziert haben. Auch die eigenen Essgewohnheiten, die Art auf Belastungen zu reagieren, sich durchzusetzen oder abzugrenzen hat sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens antrainiert.

Was hilft: Verhaltenstherapie

Prof. Achim Peters räumt mit seinen beiden Buchbestsellern „Das egoistische Gehirn“ und „Mythos Übergewicht – Warum dicke Menschen länger leben“ eindrucksvoll mit falschen Ansichten und Vorurteilen zum Thema Übergewicht auf. Was er statt Diäten empfiehlt, ist eine Verhaltenstherapie, die hilft Stress und persönliche Belastungen abzubauen und nicht zuletzt auch die Selbstbeziehung stärkt, indem man sich mit seinem Körper und seinem Übergewicht wieder versöhnt. All dies bestärkt mich sehr in meiner Arbeit, bei der ich bereits seit 14 Jahren ein Verhaltenstraining zur Gewichtsreduktion anbiete, das genau diesem Ansatz entspricht.

3. Eine ganz besondere Taxifahrt


Diese bewegende Geschichte schrieb ein Taxifahrer:

Ich wurde zu einer Adresse hinbestellt und wie gewöhnlich hupte ich als ich ankam. Doch kein Fahrgast erschien. Ich hupte erneut. Nichts. ...Noch einmal. Wiederum nichts.

Meine Schicht war fast zu Ende, dies sollte meine letzte Fahrt sein. Es wäre leicht gewesen einfach wieder wegzufahren. Ich entschied mich jedoch dagegen, parkte den Wagen und ging zur Haustür. Kaum hatte ich angeklopft, hörte ich eine alte gebrechliche Stimme sagen „Bitte, einen Augenblick noch!“ Durch die Tür hörte ich, dass offensichtlich etwas über den Hausboden geschleift wurde. Es verging eine Weile bis sich endlich die Tür öffnete. Vor mir stand eine kleine alte Dame, bestimmt 90 Jahre alt. Sie trug ein mit Blümchen bedrucktes Kleid und einen dieser Pillbox-Hüte mit Schleier, die früher getragen wurden. Ihre gesamte Erscheinung sah so aus, als wäre sie aus einem Film der 1940er Jahre entsprungen. In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Nylonkoffer.

Da die Tür offen war, konnte ich nun auch in die Wohnung sehen. Die Wohnung sah aus als hätte hier über Jahre niemand mehr gelebt. Alle Möbel waren mit Tüchern abgedeckt. Die Wände waren völlig leer - keine Uhren hingen dort. Die Wohnung war fast komplett leer geräumt - kein Nippes, kein Geschirr auf der Spüle, nur hinten in der Ecke sah ich etwas. Einen Karton, der wohl mit Fotos und irgendwelchen Glas-Skulpturen bepackt war.

„Bitte, junger Mann, tragen sie mir meinen Koffer zum Wagen?“ sagte sie. Ich nahm den Koffer und packte ihn in den Kofferraum. Ich ging zurück zur alten Dame um ihr beim Gang zum Auto ein wenig zu helfen. Sie nahm meinen Arm und wir gingen gemeinsam in Richtung Bürgersteig zum Auto. Sie bedankte sich für meine Hilfsbereitschaft. „Nicht der Rede wert“ antwortete ich ihr, „Ich behandle meine Fahrgäste schlicht genauso, wie ich auch meine Mutter behandeln würde!“ „Oh, sie sind wirklich ein vorbildlicher junger Mann“, erwiderte sie.

Als die Dame in meinem Taxi Platz genommen hatte, gab sie mir die Zieladresse, gefolgt von der Frage, ob wir denn nicht durch die Innenstadt fahren könnten. „Nun, das ist aber nicht der kürzeste Weg, eigentlich sogar ein erheblicher Umweg“, gab ich zu bedenken. „Oh, ich habe nichts dagegen“, sagte sie. „Ich bin nicht in Eile. Ich bin auf dem Weg in ein Hospiz.“ „Ein Hospiz?“ schoss es mir durch den Kopf. Scheiße, Mann! Dort werden doch sterbenskranke Menschen versorgt und beim Sterben begleitet.

Ich schaute in den Rückspiegel und schaute mir die Dame noch einmal an. „Ich hinterlasse keine Familie“, fuhr sie mit sanfter Stimme fort. „Mein Arzt sagt, ich habe nicht mehr sehr lange.“ Ich schaltete das Taxameter aus. „Welchen Weg soll ich nehmen?“ fragte ich. Für die nächsten zwei Stunden fuhren wir einfach durch die Stadt. Sie zeigte mir das Hotel, indem sie einst an der Rezeption gearbeitet hatte.

Wir fuhren zu den unterschiedlichsten Orten. Sie zeigte das Haus, in dem sie und ihr verstorbener Mann gelebt hatten, als sie noch „ein junges, wildes Paar“ waren. Sie zeigte mir ein modernes neues Möbelhaus, das früher „ein angesagter Schuppen“ zum Tanzen war. Als junges Mädchen habe sie dort oft das Tanzbein geschwungen. An manchen Gebäuden und Straßen bat sie mich besonders langsam zu fahren. Sie sagte dann nichts. Sie schaute dann einfach nur aus dem Fenster und schien mit ihren Gedanken noch einmal auf eine Reise zu gehen. Hinter dem Horizont kamen die ersten Sonnenstrahlen.

Waren wir tatsächlich die ganze Nacht durch die Stadt gefahren? „Ich bin müde“, sagte die alte Dame plötzlich, „Jetzt können wir zu meinem Ziel fahren.“ Schweigend fuhren wir zur Adresse, die sie mir am Abend gegeben hatte. Das Hospiz hatte ich mir viel größer vorgestellt. Mit seiner Mini-Einfahrt wirkte es eher wie ein kleines freundliches Ferienhaus. Jedoch stürmte kein kaufwütiger Makler aus dem Gebäude sondern zwei eilende Sanitäter, die, kaum hatte ich den Wagen angehalten, die Fahrgasttüre öffneten. Sie schienen sehr besorgt. Sie mussten schon sehr lange auf die Dame gewartet haben. Und während die alte Dame im Rollstuhl Platz nahm, trug ich ihren Koffer zum Eingang des Hospiz. „Wie viel bekommen sie von mir für die Fahrt?“ fragte sie, während sie in ihrer Handtasche kramte. „Nichts“, sagte ich. „Sie müssen doch ihren Lebensunterhalt verdienen“, antwortete sie. „Es gibt noch andere Passagiere“, erwiderte ich mit einem Lächeln. Und ohne lange darüber nachzudenken, umarmte ich sie. Sie hielt mich ganz fest.

„Sie haben einer alten Frau auf ihren letzten Metern noch ein klein wenig Freude und Glück geschenkt. Danke“ sagte sie mit glasigen Augen zu mir. Ich drückte ihre Hand, und ging dem trüben Sonnenaufgang entgegen … Hinter mir schloss sich die Tür des Hospiz. Es klang für mich wie der Abschluss eines Lebens.

Meine nächste Schicht hätte jetzt beginnen sollen, doch ich nahm keine neuen Fahrgäste an. Ich fuhr einfach ziellos durch die Straßen - völlig versunken in meinen Gedanken. Ich wollte weder reden, noch jemanden sehen. Was wäre gewesen, wenn die Frau an einen unfreundlichen und mies gelaunten Fahrer geraten wäre, der nur schnell seine Schicht hätte beenden wollen? Was wäre, wenn ich die Fahrt nicht angenommen hätte. Was wäre, wenn ich nach dem ersten Hupen einfach weggefahren wäre?

Wenn ich an diese Fahrt zurück denke, glaube ich, dass ich noch niemals etwas Wichtigeres im Leben getan habe. In unserem hektischen Leben legen wir besonders viel Wert auf die großen, bombastischen Momente. Größer. Schneller. Weiter. Dabei sind es doch die kleinen Momente, die kleinen Gesten die im Leben wirklich etwas zählen. Für diese kleinen und schönen Momente sollten wir uns wieder Zeit nehmen. Wir sollten wieder Geduld haben - und nicht sofort hupen - dann sehen wir sie auch.

4. Wer hat Schuld?

An einem schönen Frühlingstag ging ein Meister die Straße entlang. Plötzlich öffnete sich eine Pforte und ein Mann rannte hinaus. Alles geschah sehr schnellend die beiden Männer stießen heftig gegeneinander.

Der Mann regte sich fürchterlich auf, schimpfte und tobte, schrie und beleidigte den Meister.

Der Meister aber verbeugte sich vor dem aufgeregten Mann und lächelte ihn an. Er sprach:" Ich kann nicht sagen wer von uns beiden an dem Zusammenstoß Schuld hat. Ich will meine kostbare Zeit aber auch nicht mit der Antwort auf diese Frage verschwenden. Aus diesem Grund entschuldige ich mich, falls ich schuld bin, und bitte Sie um Verzeihung, weil ich so unaufmerksam war. Sollten Sie dagegen der Schuldige sein, können Sie den Vorfall dagegen auf sich beruhen lassen."

Der Meister verneigte sich nach diesen Worten noch einmal vor dem Mann. Mit einem Lächeln auf den Lippen setzte er seinen Weg fort.

5. Vorsicht Humor

Ich liebe Witze. Besonders der jüdische Humor hat es mir angetan. Auch bei meinen Konzerten (Insider wissen, dass meine Leidenschaft die „Klezmer-Musik“ ist und ich gelegentlich Konzerte gebe) gehört natürlich auch jüdischer Humor dazu. Der jüdische Witz ist immer etwas Besonderes und es gibt sogar Witze über den jüdischen Witz selbst. Hier ist einer:

Wenn man einem Bauern einen Witz erzählt, lacht er dreimal. Das erste Mal, wenn er den Witz hört, das zweite Mal, wenn man ihm den Witz erklärt, das dritten Mal, wenn er den Witz versteht.

Der Gutsherr lacht zweimal: das erste Mal, wenn er den Witz hört, das zweiten Mal, wenn man ihn erklärt. Verstehen wird er ihn nie.

Der Offizier lacht nur einmal, nämlich wenn man ihm den Witz erzählt. Denn erklären läßt er sich prinzipiell nichts, und verstehen wird er ohnehin nicht...

Erzählt man aber einem Juden einen Witz, so sagt er: "Den kenn' ich schon!" und erzählt einen noch besseren.

Leider ist nur noch Platz für einen jüdischer Witz zum Abschluß (demnächst vielleicht mehr):

Ein junger Mann und ein alter Jude fahren gemeinsam eine lange Strecke mit der Bahn. Der junge Mann fragt nach dem Einsteigen den alten Juden nach der Uhrzeit, erhält aber keine Antwort. Am nächsten Morgen kurz vor der Ankunft sagt der alte Jude: " Es ist jetzt 8 Uhr 30"
Der junge Mann fragt verwundert, warum er die Antwort erst jetzt erhält. "Sehen Sie, junger Mann,
Ich habe bei mir gedacht, wenn ich Ihnen die Uhrzeit gleich sage werden wir ins Gespräch kommen, Sie werden mir sagen, dass Sie in meine Stadt fahren, dass Sie zum ersten Mal dort sind und Ich werde Sie, da Ich ein freundlicher Mensch bin, zu mir einladen. Dann werde ich Sie mit meiner Tochter bekannt machen, Sie werden sich in sie verlieben und sie eines Tages heiraten. Da habe
ich mir gesagt, was soll ich mit einem Schwiegersohn, der nicht einmal eine Uhr hat."

Das war's mal wieder für heute.

Ganz liebe Grüße aus
unserem schönen Bad Orb
mit der Toskana-Therme
und - laß es dir gut gehen!

Elmar


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